Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg e.V.
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Zehn „barrierefreie Gemeinden“ ausgezeichnet

   18. November 2002
Gemeinsame Pressemitteilung des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V. und des Innenministeriums Baden-Württemberg
Als Ergebnis des zum zweiten Mal nach 1998 vom Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V. ausgelobten Wettbewerbs „Gesucht: Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“ wurden am Montag, 18. November 2002, in Stuttgart zehn Städte und Gemeinden für ihr vorbildliches Engagement zugunsten eines barrierefreien Lebensraums ausgezeichnet.

Innenminister Dr. Thomas Schäuble, Schirmherr des Wettbewerbs, und Hans-Ulrich Karg, Vorsitzender des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V., würdigten die Preisträger als Vorbilder für ein „Leben ohne Hindernisse“ in den Kommunen. Innenminister Dr. Thomas Schäuble wies darauf hin, dass in Baden-Württemberg rund 680.000 Schwerbehinderte leben. „Jeder 16. Einwohner im Land ist seit Geburt, durch Krankheit oder nach einem Unfall schwer behindert. Sie stoßen in ihrem Alltag auf vielfältige Barrieren. Die heutigen Preisträger geben Vorbilder, wie diese Hindernisse abgebaut werden können. Hier kommt es auf Engagement und Kreativität an, die zumal in unseren Kommunen schon oft erfolgreich bewiesen wurden“, sagte Schäuble.

Hans-Ulrich Karg unterstrich, wie bauliche Barrieren die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft oft ver- oder behinderten. Der Wett- bewerb sei deshalb vor allem ein gesellschaftspolitisches Anliegen. Hierbei seien alle Felder kommunaler Politik berührt und einbezogen. Fachgrenzen müssten überwunden und Kooperationen angeregt werden, damit ein barrierefreies Lebensumfeld entstehe. Ausschlaggebend für die Preisverleihung sei die durchgängige erkennbare Beachtung der Belange mobilitätsbehinderter Menschen als Querschnittsaufgabe aller Ressorts, die stufenlose Zugänglichkeit sowie die Nutzbarkeit von öffentlichen und privaten Einrichtungen wie Rathäuser, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Handel, Arztpraxen, Gaststätten sowie der Öffentliche Nahverkehr ohne fremde Hilfe gewesen.

Unter dem Motto „Gleichstellung … aber richtig!“ fordere der Landesverband die barrierefreie Gemeinde. Menschen mit Behinderungen bräuchten die Unterstützung aller, um selbstbestimmt und gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können. Hierzu müssten Bund, Länder und Kommunen wichtige Beiträge leisten. Eine unüberwindliche Treppe, eine zu schmale Tür, ein zu hoher Buseinstieg oder „Bürgerservice“-Angebote, die etwa für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen unerreichbar bleiben, seien Barrieren, die abgebaut werden müssten.

Die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Jutta Pagel, betonte, der Wettbewerb 2002 zeichne sich dadurch aus, dass die meisten Bewerbungen in allen sieben Gemeindegrößen-Kategorien hervorragend qualifiziert seien. Viele Gemeinden hätten in den letzten Jahren verstärkt Anstrengungen unternommen, ihren mobilitätsbehinderten Einwohnern die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erleichtern. Von dem Wettbewerb solle daher eine Signalwirkung ausgehen, sich weiterhin um Barrierefreiheit zu bemühen. Der Wettbewerb zeige etliche „best-practice“-Beispiele. So sei in Gondelsheim (Landkreis Karlsruhe) das denkmalgeschützte Rathaus behutsam barrierefrei umgebaut worden; Schutterwald (Ortenaukreis) fördere gezielt den Wohnungsbau von Familien mit behinderten Kindern; Aidlingen (Landkreis Böblingen) sanktioniere Falschparker auf Gehwegen und Behindertenparkplätzen. „Die barrierefreie Gemeinde ist machbar“, stellte Pagel fest. Sie bedauerte, dass sich nur 29 Gemeinden an dem Wettbewerb beteiligt haben. Erfreulich habe sich die Situation bei den allgemeinen Hilfestellungen rund um das Rathaus sowie im Bereich Bildung und Erziehung verbessert. Immer mehr Kommunen achteten auch bei der Ausweisung neuer Baugebiete und bei städtebaulichen Planungen auf ein barrierefreies Umfeld. Sie beteiligten dabei frühzeitig behinderte Menschen oder deren Selbsthilfeverbände. „Betroffene haben oft die besten, einfachsten und wirtschaftlichsten Lösungen für barrierefreies Planen und Bauen parat von denen alle profitieren“, erklärte Landesvorsitzender Hans-Ulrich Karg. Am wenigsten seien noch immer der Nahverkehr sowie Hotels und Gaststätten auf Rollstuhlfahrer eingerichtet. Hier bestehe noch erheblicher Nachholbedarf.

* Nachstehende Preisträger erhielten jeweils ein Emaille-Schild, das die Anerkennung der barrierefreien Gemeinde dokumentiert.

Gemeinden bis zu 2.500 Einwohnern

Grafenhausen, Landkreis Waldshut-Tiengen (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) In der Tourismusgemeinde Grafenhausen werden die Belange mobilitätsbehinderter Menschen nicht nur aus der Sicht von Einwohnern, sondern auch in besonderem Maße aus der Sicht von Touristen mit Handicap berücksichtigt. In den Bereichen Freizeit, Kultur, Sport und Tourismus wird besonders auf die Barrierefreiheit geachtet. Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 Einwohnern § Schwarzach, Neckar-Odenwald-Kreis (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“)

Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft ist für die Gemeinde eine Selbstverständlichkeit. Das 1994 begonnene Projekt „Barrieren abbauen“, das seit Dezember 1999 bestehende Bürgerbüro „Komm-In“ mit allen Dienstleistungen eines Rathauses – auch samstags geöffnet – in einem Einkaufszentrum mitten im Dorf, ein Ortsplan mit Wanderwegen für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen dokumentieren anschaulich das ständige Bestreben der Gemeinde, die Belange behinderter Menschen bei den kommunalen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Gemeinden zwischen 5.001 und 10.000 Einwohnern

Oberhausen-Rheinhausen, Landkreis Karlsruhe Die Gemeinde hat die Barrierefreiheit vorbildlich in den Bereichen Bildung und Erziehung sowie Freizeit, Kultur und Sport umgesetzt. Besonders ist anzumerken, dass nicht nur die stufenlose Zugänglichkeit möglich, sondern auch die interne Gebäudeerschließung barrierefrei gestaltet ist. Außerdem verfügen die meisten öffentlichen Einrichtungen über rollstuhlzugängliche Toiletten.

Herbolzheim, Landkreis Emmendingen (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) Nachhaltig verfolgt die Gemeinde seit Jahren den Leitsatz „Barrierefreiheit aller Gebäude, Plätze, Wege und Verkehrsmittel soll bestmöglichst erzielt werden“. Im Juni 2003 wird das „Torhaus“ als Begegnungsstätte mit Kleinkunstbühne und Jugendhaus eingeweiht.

Gemeinden zwischen 10.001 und 20.000 Einwohnern

Ebersbach an der Fils, Landkreis Göppingen Die Gemeinde hat die Barrierefreiheit vorbildlich in den Bereichen Bildung und Erziehung umgesetzt. Besonders bemerkenswert ist, dass überwiegend in Gebäuden, die stufenlos zugänglich sind, auch rollstuhlzugängliche Toiletten vorhanden sind. Ebersbach gibt einen Ratgeber für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte („unbehindert in Ebersbach“) mit allen wichtigen Informationen als Faltblatt heraus. Die Gemeinde beteiligt sich an den Kosten des barrierefreien Ausbaus des Bahnhofs (Rampen, Aufzüge).

Freiberg am Neckar, Landkreis Ludwigsburg Bereits zum dritten Mal hat die Gemeinde einen Stadtführer „Barrierefrei durch Freiberg am Neckar“ für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen herausgegeben. Die Stadt, der Einzelhandel und die Gastronomie haben versucht, Barrieren abzubauen. Entstanden ist der Stadtführer in Zusammenarbeit mit der Sozial-AG der Oscar-Paret-Schule. Die Partizipation mobilitätsbehinderter Menschen in den Bereichen Bauleitplanung und Wohnen ist vorbildlich.

Gemeinden zwischen 20.001 und 50.000 Einwohnern

Geislingen an der Steige, Landkreis Göppingen Das Engagement des kommunalen Beauftragten für die Belange behinderter Menschen zeigt sich in dem Bemühen der Gemeinde, die Barrierefreiheit in möglichst allen Lebensbereichen nach und nach umzusetzen. Der „Stadtplan für behinderte Menschen“ (2002) beschreibt ausführlich die Zugänglichkeit der verschiedenen privaten und öffentlichen Einrichtungen. Beim Aufstellen von Bebauungsplänen werden die Belange von mobilitätsbehinderten Menschen durch Abarbeiten einer Checkliste, die in Zusammenarbeit mit Behindertenvertretern entstanden ist, berücksichtigt. Besonders hoch ist der Anteil von Niederflurbussen im ÖPNV. Gemeinden zwischen 50.001 und 100.000 Einwohnern § Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“)

Barrierefreies Planen und Bauen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Umsetzung ist bei der historischen Bausubstanz in der Innenstadt jedoch schwierig; dennoch wird nach Lösungen gesucht, Barrierefreiheit und Denkmalschutz ins Gleichgewicht zu bringen. Die Neuauflage des 1997 herausgegebenen „Behindertenführer Schwäbisch Gmünd“ erscheint 2003; dies dokumentiert das Bemühen, nachhaltig und aktuell Informationen für mobilitätsbehinderte Menschen bereitzuhalten. Erhebliche Anstrengungen für die Barrierefreiheit wurde in den Bereichen Bildung und Erziehung, Freizeit, Kultur und Sport sowie Tourismus unternommen. Der Anteil an Niederflurbussen im ÖPNV ist hoch; Ziel der Bemühungen ist es, den ÖPNV insgesamt barrierefreier zu gestalten.

Gemeinden über 100.000 Einwohnern

Karlsruhe

Die Stadt setzt sich vorbildlich für ein Leben ohne Barrieren, für selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein. Es gibt eine hauptamtliche Behindertenkoordinatorin sowie einen Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Karlsruhe. Der Beirat hat das Ziel, durch seine Tätigkeit die Gleichstellung und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Stadt Karlsruhe zu realisieren und dadurch das im Grundgesetz verankerte Benachteiligungsverbot umzusetzen. Die Stadt hat ein umfangreiches und barrierefreies Internet- Angebot; der Gemeinderat hat bereits 1995 die Durchführung einer sozialverträglichen Planung für alle städtischen Planungen und Projekte beschlossen; die Leitlinien wurden 2001 aktualisiert.

Stuttgart

(bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) Die Landeshauptstadt arbeitet stetig an den notwendigen Verbesserungen und Erleichterungen für ein Leben ohne Barrieren. Der Gemeinderat hat unter anderem Leitlinien zur Berücksichtigung der Belange Behinderter bzw. zur Sozialverträglichkeit bei städtebaulichen Maßnahmen verabschiedet. Beispielhaft ist das Planungsgutachten Stuttgart – Freiberg/ Mönchfeld. Dieses Pilotvorhaben soll als Grundlage für andere Stadtteile dienen. Aktuell hat eine umfangreiche Untersuchungsaktion stattgefunden, in der sämtliche Fußgängerüberwege im Stadtgebiet hinsichtlich ihrer Randsteinhöhe überprüft wurden. Im Jahr 2001 waren 41 Prozent der Überwege barrierefrei gestaltet, im Jahr 2002 sollen 60 Prozent erreicht werden. Ziel ist es, möglichst bald die 100-Prozentmarke zu erreichen. Deutliche Verbesserungen sind auch im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs (Haltestellen, Niederflurbusse, Bahnen) zu verzeichnen. Wichtiger Bestandteil der Bewerbung für Olympia 2012 ist die Bewerbung um die Paralympics. Ziel der Landeshauptstadt Stuttgart ist die Integration behinderter Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens.Als Ergebnis des zum zweiten Mal nach 1998 vom Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V. ausgelobten Wettbewerbs „Gesucht: Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“ wurden am Montag, 18. November 2002, in Stuttgart zehn Städte und Gemeinden für ihr vorbildliches Engagement zugunsten eines barrierefreien Lebensraums ausgezeichnet.

Innenminister Dr. Thomas Schäuble, Schirmherr des Wettbewerbs, und Hans-Ulrich Karg, Vorsitzender des Landesverbandes für Körperund Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg e.V., würdigten die Preisträger als Vorbilder für ein „Leben ohne Hindernisse“ in den Kommunen. Innenminister Dr. Thomas Schäuble wies darauf hin, dass in Baden-Württemberg rund 680.000 Schwerbehinderte leben. „Jeder 16. Einwohner im Land ist seit Geburt, durch Krankheit oder nach einem Unfall schwer behindert. Sie stoßen in ihrem Alltag auf vielfältige Barrieren. Die heutigen Preisträger geben Vorbilder, wie diese Hindernisse abgebaut werden können. Hier kommt es auf Engagement und Kreativität an, die zumal in unseren Kommunen schon oft erfolgreich bewiesen wurden“, sagte Schäuble.

Hans-Ulrich Karg unterstrich, wie bauliche Barrieren die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft oft ver- oder behinderten. Der Wett- bewerb sei deshalb vor allem ein gesellschaftspolitisches Anliegen. Hierbei seien alle Felder kommunaler Politik berührt und einbezogen. Fachgrenzen müssten überwunden und Kooperationen angeregt werden, damit ein barrierefreies Lebensumfeld entstehe. Ausschlaggebend für die Preisverleihung sei die durchgängige erkennbare Beachtung der Belange mobilitätsbehinderter Menschen als Querschnittsaufgabe aller Ressorts, die stufenlose Zugänglichkeit sowie die Nutzbarkeit von öffentlichen und privaten Einrichtungen wie Rathäuser, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Handel, Arztpraxen, Gaststätten sowie der Öffentliche Nahverkehr ohne fremde Hilfe gewesen.

Unter dem Motto „Gleichstellung … aber richtig!“ fordere der Landesverband die barrierefreie Gemeinde. Menschen mit Behinderungen bräuchten die Unterstützung aller, um selbstbestimmt und gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können. Hierzu müssten Bund, Länder und Kommunen wichtige Beiträge leisten. Eine unüberwindliche Treppe, eine zu schmale Tür, ein zu hoher Buseinstieg oder „Bürgerservice“-Angebote, die etwa für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen unerreichbar bleiben, seien Barrieren, die abgebaut werden müssten.

Die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Jutta Pagel, betonte, der Wettbewerb 2002 zeichne sich dadurch aus, dass die meisten Bewerbungen in allen sieben Gemeindegrößen-Kategorien hervorragend qualifiziert seien. Viele Gemeinden hätten in den letzten Jahren verstärkt Anstrengungen unternommen, ihren mobilitätsbehinderten Einwohnern die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu erleichtern. Von dem Wettbewerb solle daher eine Signalwirkung ausgehen, sich weiterhin um Barrierefreiheit zu bemühen. Der Wettbewerb zeige etliche „best-practice“-Beispiele. So sei in Gondelsheim (Landkreis Karlsruhe) das denkmalgeschützte Rathaus behutsam barrierefrei umgebaut worden; Schutterwald (Ortenaukreis) fördere gezielt den Wohnungsbau von Familien mit behinderten Kindern; Aidlingen (Landkreis Böblingen) sanktioniere Falschparker auf Gehwegen und Behindertenparkplätzen. „Die barrierefreie Gemeinde ist machbar“, stellte Pagel fest. Sie bedauerte, dass sich nur 29 Gemeinden an dem Wettbewerb beteiligt haben. Erfreulich habe sich die Situation bei den allgemeinen Hilfestellungen rund um das Rathaus sowie im Bereich Bildung und Erziehung verbessert. Immer mehr Kommunen achteten auch bei der Ausweisung neuer Baugebiete und bei städtebaulichen Planungen auf ein barrierefreies Umfeld. Sie beteiligten dabei frühzeitig behinderte Menschen oder deren Selbsthilfeverbände. „Betroffene haben oft die besten, einfachsten und wirtschaftlichsten Lösungen für barrierefreies Planen und Bauen parat von denen alle profitieren“, erklärte Landesvorsitzender Hans-Ulrich Karg. Am wenigsten seien noch immer der Nahverkehr sowie Hotels und Gaststätten auf Rollstuhlfahrer eingerichtet. Hier bestehe noch erheblicher Nachholbedarf.

* Nachstehende Preisträger erhielten jeweils ein Emaille-Schild, das die Anerkennung der barrierefreien Gemeinde dokumentiert.

Gemeinden bis zu 2.500 Einwohnern

Grafenhausen, Landkreis Waldshut-Tiengen (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) In der Tourismusgemeinde Grafenhausen werden die Belange mobilitätsbehinderter Menschen nicht nur aus der Sicht von Einwohnern, sondern auch in besonderem Maße aus der Sicht von Touristen mit Handicap berücksichtigt. In den Bereichen Freizeit, Kultur, Sport und Tourismus wird besonders auf die Barrierefreiheit geachtet. Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 Einwohnern § Schwarzach, Neckar-Odenwald-Kreis (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“)

Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft ist für die Gemeinde eine Selbstverständlichkeit. Das 1994 begonnene Projekt „Barrieren abbauen“, das seit Dezember 1999 bestehende Bürgerbüro „Komm-In“ mit allen Dienstleistungen eines Rathauses – auch samstags geöffnet – in einem Einkaufszentrum mitten im Dorf, ein Ortsplan mit Wanderwegen für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen dokumentieren anschaulich das ständige Bestreben der Gemeinde, die Belange behinderter Menschen bei den kommunalen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Gemeinden zwischen 5.001 und 10.000 Einwohnern

Oberhausen-Rheinhausen, Landkreis Karlsruhe Die Gemeinde hat die Barrierefreiheit vorbildlich in den Bereichen Bildung und Erziehung sowie Freizeit, Kultur und Sport umgesetzt. Besonders ist anzumerken, dass nicht nur die stufenlose Zugänglichkeit möglich, sondern auch die interne Gebäudeerschließung barrierefrei gestaltet ist. Außerdem verfügen die meisten öffentlichen Einrichtungen über rollstuhlzugängliche Toiletten.

Herbolzheim, Landkreis Emmendingen (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) Nachhaltig verfolgt die Gemeinde seit Jahren den Leitsatz „Barrierefreiheit aller Gebäude, Plätze, Wege und Verkehrsmittel soll bestmöglichst erzielt werden“. Im Juni 2003 wird das „Torhaus“ als Begegnungsstätte mit Kleinkunstbühne und Jugendhaus eingeweiht.

Gemeinden zwischen 10.001 und 20.000 Einwohnern

Ebersbach an der Fils, Landkreis Göppingen Die Gemeinde hat die Barrierefreiheit vorbildlich in den Bereichen Bildung und Erziehung umgesetzt. Besonders bemerkenswert ist, dass überwiegend in Gebäuden, die stufenlos zugänglich sind, auch rollstuhlzugängliche Toiletten vorhanden sind. Ebersbach gibt einen Ratgeber für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte („unbehindert in Ebersbach“) mit allen wichtigen Informationen als Faltblatt heraus. Die Gemeinde beteiligt sich an den Kosten des barrierefreien Ausbaus des Bahnhofs (Rampen, Aufzüge).

Freiberg am Neckar, Landkreis Ludwigsburg Bereits zum dritten Mal hat die Gemeinde einen Stadtführer „Barrierefrei durch Freiberg am Neckar“ für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen herausgegeben. Die Stadt, der Einzelhandel und die Gastronomie haben versucht, Barrieren abzubauen. Entstanden ist der Stadtführer in Zusammenarbeit mit der Sozial-AG der Oscar-Paret-Schule. Die Partizipation mobilitätsbehinderter Menschen in den Bereichen Bauleitplanung und Wohnen ist vorbildlich.

Gemeinden zwischen 20.001 und 50.000 Einwohnern

Geislingen an der Steige, Landkreis Göppingen Das Engagement des kommunalen Beauftragten für die Belange behinderter Menschen zeigt sich in dem Bemühen der Gemeinde, die Barrierefreiheit in möglichst allen Lebensbereichen nach und nach umzusetzen. Der „Stadtplan für behinderte Menschen“ (2002) beschreibt ausführlich die Zugänglichkeit der verschiedenen privaten und öffentlichen Einrichtungen. Beim Aufstellen von Bebauungsplänen werden die Belange von mobilitätsbehinderten Menschen durch Abarbeiten einer Checkliste, die in Zusammenarbeit mit Behindertenvertretern entstanden ist, berücksichtigt. Besonders hoch ist der Anteil von Niederflurbussen im ÖPNV. Gemeinden zwischen 50.001 und 100.000 Einwohnern § Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis (bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“)

Barrierefreies Planen und Bauen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Umsetzung ist bei der historischen Bausubstanz in der Innenstadt jedoch schwierig; dennoch wird nach Lösungen gesucht, Barrierefreiheit und Denkmalschutz ins Gleichgewicht zu bringen. Die Neuauflage des 1997 herausgegebenen „Behindertenführer Schwäbisch Gmünd“ erscheint 2003; dies dokumentiert das Bemühen, nachhaltig und aktuell Informationen für mobilitätsbehinderte Menschen bereitzuhalten. Erhebliche Anstrengungen für die Barrierefreiheit wurde in den Bereichen Bildung und Erziehung, Freizeit, Kultur und Sport sowie Tourismus unternommen. Der Anteil an Niederflurbussen im ÖPNV ist hoch; Ziel der Bemühungen ist es, den ÖPNV insgesamt barrierefreier zu gestalten.

Gemeinden über 100.000 Einwohnern

Karlsruhe

Die Stadt setzt sich vorbildlich für ein Leben ohne Barrieren, für selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein. Es gibt eine hauptamtliche Behindertenkoordinatorin sowie einen Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt Karlsruhe. Der Beirat hat das Ziel, durch seine Tätigkeit die Gleichstellung und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Stadt Karlsruhe zu realisieren und dadurch das im Grundgesetz verankerte Benachteiligungsverbot umzusetzen. Die Stadt hat ein umfangreiches und barrierefreies Internet- Angebot; der Gemeinderat hat bereits 1995 die Durchführung einer sozialverträglichen Planung für alle städtischen Planungen und Projekte beschlossen; die Leitlinien wurden 2001 aktualisiert.

Stuttgart

(bereits 1998 ausgezeichnet als „behindertenfreundliche Gemeinde“) Die Landeshauptstadt arbeitet stetig an den notwendigen Verbesserungen und Erleichterungen für ein Leben ohne Barrieren. Der Gemeinderat hat unter anderem Leitlinien zur Berücksichtigung der Belange Behinderter bzw. zur Sozialverträglichkeit bei städtebaulichen Maßnahmen verabschiedet. Beispielhaft ist das Planungsgutachten Stuttgart – Freiberg/ Mönchfeld. Dieses Pilotvorhaben soll als Grundlage für andere Stadtteile dienen. Aktuell hat eine umfangreiche Untersuchungsaktion stattgefunden, in der sämtliche Fußgängerüberwege im Stadtgebiet hinsichtlich ihrer Randsteinhöhe überprüft wurden. Im Jahr 2001 waren 41 Prozent der Überwege barrierefrei gestaltet, im Jahr 2002 sollen 60 Prozent erreicht werden. Ziel ist es, möglichst bald die 100-Prozentmarke zu erreichen. Deutliche Verbesserungen sind auch im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs (Haltestellen, Niederflurbusse, Bahnen) zu verzeichnen. Wichtiger Bestandteil der Bewerbung für Olympia 2012 ist die Bewerbung um die Paralympics. Ziel der Landeshauptstadt Stuttgart ist die Integration behinderter Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens.

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