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Der Paritätische Baden-Württemberg gegen die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland!

   31. Oktober 2001
 
Der Paritätische Baden-Württemberg sprach sich gestern zusammen mit seinen Mitgliedsorganisationen pro familia, Landesverband Baden-Württemberg und Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg im Rahmen einer Pressekonferenz gegen die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland und gegen die Öffnung des Embryonenschutzgesetzes in Richtung der Zulassung einer verbrauchenden Embryonenforschung aus. Diese Forderung war auch Inhalt einer Resolution, die bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des PARITÄTISCHEN verabschiedet wurde.

Die Diskussion um Chancen und Risiken der Gentechnik wurden in den vergangenen Monaten bundesweit von verschiedenen Seiten vorangetrieben. Auslöser waren die von Wissenschaftlern versprochenen neuen Möglichkeiten der Gen- und Reproduktionstechnologien, die jedoch bestehende ethische Grenzen und Gesetze für viele Menschen in Frage stellen.

„Die Freiheit der Forschung findet dort ihre Grenzen, wo Sie die Würde des Menschen tangiert oder verletzt. Eine wie auch immer geartete Instrumentalisierung des menschlichen Embryos ist mit der bereits im Grundgesetz geschützten Würde des Menschen nicht vereinbar“, so der neue Landesvorsitzende des Paritätischen Baden-Württemberg, Dott. Paolo Bavastro. „Deshalb können wir als Dachverband für viele Selbsthilfegruppen, Behindertenverbände und Einrichtungen für Frauen und Familien uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland aussprechen. Das Verfahren, einen durch künstliche Befruchtung entstandenen Embryo auf einen Gendefekt hin zu untersuchen, ist eine Selektionsmethode und damit ein „Türöffner“ für ethisch bedenkliche Entwicklungen“, befürchtet Bavastro. Allein der Begriff „Diagnostik“ sei irreführend und assoziiere dem betroffenen Paar bei einem positiven Befund eine Therapiemöglichkeit. Die Präimplantationsdiagnostik ließe aber nur eine Therapie zu: die Tötung des Embryos. Manuela Rettig, Geschäftsführerin von pro familia Baden-Württemberg betrachtet es als zu kurzsichtig, den Einsatz der PID lediglich als eine weitere medizinische Dienstleistung zu sehen, die erbliche Krankheiten bei künftigen Generationen verhindern soll. Diese Technologie sei mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen und Risiken für die dieser Prozedur unterworfenen Frauen verbunden und habe oftmals auch partnerschaftliche und sexuelle Probleme eines Paares zur Folge. „Als Fachverband in Fragen von Familienplanung und Sexualberatung ist es uns allerdings auch ein wichtiges Anliegen, den Kinderwunsch von Frauen und Männern zu respektieren und im Rahmen unserer Beratungstätigkeit nicht zu bewerten, ob die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Präimplantationsdiagnostik (ungeachtet der derzeitigen Rechtslage) berechtigt oder unberechtigt ist“, so Rettig. „Nur wenige Behinderungen sind Folge eines Gendefekts. Das Gros der Behinderungen hat andere Ursachen: z.B. Sauerstoffmangel bei der Geburt oder als Folge von Unfall oder Krankheit“, argumentiert Jutta Pagel, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg. Die – zugelassene – Pränataldiagnostik (PND) habe bereits dazu geführt, dass sich Familien mit behinderten Kindern Vorwürfe direkt oder indirekt anhören müssten wie „hätte man „das“ nicht vermeiden können“.

Der PARITÄTISCHE fordert deshalb eine breite öffentliche Debatte über Risiken und Konsequenzen der Präimplantationsdiagnostik, an der alle gesellschaftlichen Gruppen teilnehmen.

Medienresonanz: dpa, KNA, Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, SWR 4 Studio Stuttgart.

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