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„Was man braucht, ist Respekt!“

   16. Juni 2010
Tagung des Landesverbandes „Bildung für alle – Schule neu denken“

Stuttgart. Welche Schule ist die richtige? Die Antwort auf diese Frage fällt schwer. Bei einer Tagung des Landesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte Baden-Württemberg dachten Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam über die Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderung nach. Doch in einem Punkt waren sich fast alle einig: abgeschafft werden darf die Sonderschule auf keinen Fall.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung den Vorrang. Und wie sehen es die Schüler selbst? Für Max Kühnau aus Mannheim ist die Sache klar: „Ich habe meine Grundschulzeit in der Sonderschule gehasst. Die Lehrer haben meine Fähigkeiten nicht erkannt. Was man braucht, ist Respekt. Im Moll-Gymnasium haben sie mir was zugetraut. Jetzt bereite ich mich auf das Abitur vor.“ Ganz anders sieht es Osman Karcier. „Ich habe an der Schule für Körperbehinderte viel Unterstützung erhalten, auch in ganz lebenspraktischen Dingen. Ich habe gelernt, mich und meine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Meine Familie hat einen Migrationshintergrund und die Sonderschule hat mir immer geholfen. Ich habe viel gelernt und wäre ohne diese Hilfe sicher nicht soweit gekommen, dass ich jetzt Sozialarbeit an der Fachhochschule studieren könnte.“ Eine Abschaffung der Sonderschule kommt für ihn daher nicht in Frage. „Ich könnte mir eine andere Schule gar nicht vorstellen“, meint Fabian Bönisch. Er besucht noch die Konrad-Biesalski-Schule in Wört und absolviert derzeit ein Praktikum in einer kleinen Firma in seinem Heimatort Schrozberg. Wenn alles klappt, wird dort eigens für ihn ein Arbeitsplatz geschaffen. „Die Sonderschule ist unverzichtbar“. Pierre Mayer aus Stuttgart blickt zufrieden auf seine Schulzeit zurück. Er hadert allerdings mit seiner jetzigen Situation. Da er pflegebedürftig und stark motorisch eingeschränkt ist, gilt er als nicht „arbeitsfähig“ und ist tagsüber in einer Tagesförderstätte. Dort findet er jedoch nicht immer die berufliche Herausforderung. „Gemeinsames Lernen gelingt immer bei zielgleichem Unterricht.“ Darin sind sich alle einig. Doch was ist, wenn behinderte Schüler dem Unterricht nicht folgen können? „Kinder können schon ganz schön gemein sein.“ Nadia Vazquez und Raphael Enderlein befürchten, dass Kinder mit schweren Behinderungen gehänselt und ausgelacht werden. „An den Regelschulen wird nicht über einen gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung diskutiert“, erklärt Maurycy Ulatowski. „Da herrscht ganz schön Konkurrenzdenken und Leistungsdruck.“ Eine Antwort auf die Frage, welche Schule nun die richtige ist, wissen die Schüler nicht. „Man muss halt ein gutes Modell finden für die Schule“, meinen sie lapidar. „Eine Schule für alle wäre eine Variante. Oder alle Schüler unter einem Dach, in einem Schulgebäude, aber in unterschiedlichen Schulen. Oder halt alle in der Behindertenschule, denn auch nicht behinderte Kinder brauchen Unterstützung“, stellte Fabian Bönisch abschließend fest. Die Schüler jedenfalls fordern ein Mitspracherecht bei der Wahl der Schule. Nur so werde das Motto der UN-Konvention „nichts über uns ohne uns“ umgesetzt.

Und welche Erwartungen haben die Eltern? Christine Kühnau und Simone Huth begrüßen die Einführung von Bildungswegekonferenzen. „Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind, auch wir Eltern von behinderten Kindern. Wir brauchen eine gute Beratung, um dann selbst über den Lernort unserer Kinder zu entscheiden.“ Die Eltern fordern daher ein qualifiziertes Elternwahlrecht. Außerdem wollen sie eine Vertrauensperson mit in die Bildungswegekonferenz mitnehmen. Und sie unterstützen die Forderung ihrer Kinder, bei der Entscheidung mitzureden.


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