Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg e.V.
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Nicht am Menschen sparen – Bürokratie abbauen

Stuttgart, 10.08.2026. Städte und Landkreise beklagen steigende Ausgaben für die Eingliederungshilfe. Als mögliche Antwort stehen Leistungskürzungen im Raum, beispielsweise durch Poolen von Assistenzleistungen. Menschen mit Behinderungen und ihre Familien wehren sich. Sie sind sich mit Leistungserbringern und Leistungsträgern einig, dass der bürokratische Aufwand deutlich zu hoch ist. Die überregionale Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ zeigt die Sichtweise der Betroffenen.

„Nicht am Menschen sparen“. Ein klares Stopp-Signal senden LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl und LVKM-Vorstandsmitglied und Inklusionsbotschafter Sebastian Fuchs.<br>Foto: © Beate Gärtner
„Nicht am Menschen sparen“. Ein klares Stopp-Signal senden LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl und LVKM-Vorstandsmitglied und Inklusionsbotschafter Sebastian Fuchs.
Foto: © Beate Gärtner

Teilhabe darf nicht zum Sparziel werden

Vor zehn Jahren sollte das Bundesteilhabegesetz die Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen schaffen. Die Unterstützung sollte sich am individuellen Bedarf orientieren und passgenau auf die jeweilige Lebenssituation zugeschnitten sein. Heute bestimmt jedoch zunehmend die Kostenfrage die Debatte. Im Mai 2026 gingen in Stuttgart Menschen mit Behinderungen, ihre Familien und Assistenzkräfte gemeinsam auf die Straße, um für ihr Recht auf Teilhabe zu demonstrieren. Die Botschaft der Betroffenen ist deshalb klar: „Wir sind kein Sparfaktor.“

Parallel startete die Diakonie Stetten gemeinsam mit weiteren Leistungserbringern die Kampagne „Nicht am Menschen sparen“. Mehr als 40 soziale Einrichtungen und Verbände aus Baden-Württemberg und dem gesamten Bundesgebiet haben sich inzwischen angeschlossen – darunter auch der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung (LVKM) Baden-Württemberg.

Sparpotenzial liegt in der Bürokratie

Die gemeinsame Forderung: Sparen ja – aber nicht auf Kosten der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ein wesentliches Einsparpotenzial liegt aus Sicht des Bündnisses in komplexen Verwaltungsstrukturen, uneinheitlichen Verfahren und aufwendigen Abrechnungsprozessen. Sie binden täglich Zeit, Geld und personelle Ressourcen, die für die eigentliche soziale Arbeit fehlen. Deshalb bietet das Bündnis konkrete Vorschläge zur Vereinfachung, Vereinheitlichung und Digitalisierung von Verwaltungsabläufen an. Der Ansatz ist partnerschaftlich und lösungsorientiert: Bürokratie abbauen, Prozesse vereinfachen und Ressourcen für die Menschen freisetzen. Denn jeder Euro und jede Stunde, die durch effizientere Strukturen gewonnen werden, können dort eingesetzt werden, wo sie wirklich gebraucht werden: für Unterstützung, Selbstbestimmung und Teilhabe. Deshalb macht auch der LVKM mit. Inklusionsbotschafter und LVKM-Vorstandsmitglied Sebastian Fuchs bringt es auf den Punkt: „Wir sind im Alltag auf Assistenz und andere Unterstützung angewiesen. Diese Leistungen der Eingliederungshilfe sind kein Luxus, sondern einfach notwendig. Wir verzichten gerne auf diese Leistungen, wenn uns im Gegenzug auch unsere Behinderung genommen wird.“ Gemeinsam mit LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl unterstützt er auch persönlich die Kampagne, denn: Nicht am Menschen sparen – sondern an unnötiger Bürokratie.

INFO
Mehr Informationen zur Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ gibt es unter nichtammenschensparen.de



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